Warten auf einen Menschen, eine Nachricht, eine Entscheidung – oder darauf, dass etwas beginnt oder endlich vorbei ist. Mit einem alltäglichen und zugleich vielschichtigen Thema beschäftigen sich Anja Herzog und Helena Zubler in ihrer Stipendiatinnen-Ausstellung „Zeitmangelwesen“. Rund 50 Gäste kamen am Donnerstagabend, 1. Oktober, zur Vernissage ins Stipendiaten-Haus der Werkstatt Plettenberg an der Kirchstraße.
Stefan Crummenerl von der Werkstatt Plettenberg begrüßte die Besucher erstmals in diesen Räumen als Veranstaltungsort für die Präsentation der künstlerischen Arbeiten. Im Mittelpunkt des Abends standen die Werke, die während des Aufenthalts der beiden Stipendiatinnen in Plettenberg entstanden sind – und die Frage, wie Menschen Zeit und insbesondere das Warten erleben.
Warten zwischen Stillstand und Hoffnung
Die stellvertretende Vorsitzende der Werkstatt Plettenberg, Isabel Vila-Crummenerl, griff diesen Gedanken in ihrer Laudatio auf. „Warten, eigentlich etwas ganz Alltägliches“, stellte sie zu Beginn fest. Menschen warteten auf Veränderungen, Entscheidungen oder einen neuen Anfang. Warten bedeute dabei nicht zwangsläufig Untätigkeit.
Vila-Crummenerl spannte den Bogen von unterschiedlichen Formen des Wartens bis zum modernen Umgang mit der eigenen Lebenszeit. Dabei verwies sie unter anderem auf den Philosophen Odo Marquard, der den Menschen als „Zeitmangelwesen“ bezeichnete: Die Lebenszeit sei begrenzt, Wünsche, Möglichkeiten und Pläne dagegen nahezu unbegrenzt. Daraus entstehe der Druck, Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen und nichts davon zu verlieren.
Genau an dieser Stelle setzten die beiden künstlerischen Positionen der Ausstellung an. Helena Zubler richte ihren Blick auf den Körper und darauf, wie Warten in Haltung, Anspannung oder Ruhe sichtbar werde. Anja Herzog beschäftige sich dagegen stärker mit den inneren und psychologischen Dimensionen: mit Hoffnung, Ungeduld, Zweifel und auch Angst.
Das Warten werde damit nicht als bloßer Stillstand verstanden, sondern als ein Zustand, in dem etwas geschehe – als „Zwischenraum“ zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was noch kommt.
Zum Abschluss ihrer Rede lud Vila-Crummenerl die Besucher dazu ein, genau diesen Zwischenraum selbst zuzulassen: „Nehmen Sie sich Zeit. Bleiben Sie. Schauen Sie. Hören Sie.“
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Performance und eine Bandpremiere
Einen weiteren künstlerischen Akzent setzte Performance-Künstlerin Linda Scholz. Musikalisch begleitet wurde ihre Performance von der jungen Band Princeps. Für Moritz Wiesemann an der E-Gitarre, Ben Hohage am Schlagzeug, Iven Spreemann am E-Bass sowie Simon Ifland an E-Gitarre und Gesang war es eine Premiere: Die Schüler aus Plettenberg und Neuenrade haben erst vor kurzer Zeit zusammengefunden und absolvierten bei der Vernissage ihren ersten öffentlichen Auftritt. Auch im weiteren Verlauf des Abends sorgte Princeps für die musikalische Begleitung.
Nach dem offiziellen Teil blieb den rund 50 Gästen reichlich Zeit, die Arbeiten von Anja Herzog und Helena Zubler zu betrachten und mit den Künstlerinnen sowie Mitgliedern der Werkstatt Plettenberg ins Gespräch zu kommen. Gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Ausdrucksformen bot dabei auch Besuchern ohne kunstfachlichen Hintergrund verschiedene Zugänge zum Thema.
Mit zunehmender Dunkelheit rückte zudem eine im Garten aufgebaute Lichtinstallation stärker in den Mittelpunkt und setzte einen besonderen optischen Akzent.
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Ausstellung bis zum 16. Oktober
Mit der Stipendiatinnen-Ausstellung setzt der Förderverein Werkstatt Plettenberg sein Engagement für junge bildende Kunst fort. Künstlerinnen und Künstler erhalten die Möglichkeit, in Plettenberg zu arbeiten, sich künstlerisch weiterzuentwickeln und ihre entstandenen Werke anschließend öffentlich zu präsentieren.
Die Ausstellung „Zeitmangelwesen“ von Anja Herzog und Helena Zubler ist bis zum 16. Oktober zu sehen. Geöffnet ist sie freitags, samstags und sonntags jeweils von 16 bis 19 Uhr. Zum Abschluss findet am 16. Oktober von 16 bis 19 Uhr die Finissage statt.









