Dachdecker haben einen harten Job. Trotzdem ist der Beruf keine Männerdomäne. Das erfuhren Schülerinnen und Schüler beim 1. Handwerkstag der Hauptschule Stadtpark aus erster Hand. Jolissa Kämpf ist Dachdecker-Auszubildene im väterlichen Unternehmen. Sie behauptet sich unter Männern und hat sogar pinkes Handwerkzeug. „Darauf habe ich bestanden“, sagte sie am Mittwoch.
Der Aktionstag für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 wurde zusammen mit der Handwerkskammer Südwestfalen organisiert. Aileen Thiele-Willner vom Team Fachkräftesicherung begleitete die Jugendlichen und die fünf Ausbildungsbetriebe, die am Mittwoch vor Ort waren.
Aileen Thiele-Willner ist Friseurmeisterin. Im Laufe ihres Berufslebens erkannte sie, wie wichtig Nachwuchsgewinnung ist und wechselte zur Handwerkskammer. „Auch die Betriebe haben erkannt, dass sie aktiv um Nachwuchs werben müssen. Deshalb beteiligen sie sich gerne an solchen Aktionen“, sagt Aileen Thiele- Willner. In der Hauptschule Stadtpark waren die Unternehmen Malerbetrieb Wieghardt & Sohn GmbH, Seyffarth Bad & Heizung GmbH & Co. KG, Eugen Kämpf (Dachdecker), Borau Dach GmbH und Goldbäckerei Grote GmbH & Co. KG mit von der Partie.
Das Besondere dabei: „Azubis aus den Unternehmen sprechen mit unseren Jugendlichen. Das ist Kommunikation auf Augenhöhe“, sagte stellvertretender Schulleiter Frank Schölzel. „Es ist nicht nur persönlicher, wenn jemand aus der Praxis den Beruf vorstellt. Die Schüler können sich ein viel besseres Bild machen, wenn sie selbst ein oder zwei Aufgaben übernehmen dürfen“, erklärte er. Und so wurden am Stand von Seyffarth Rohrverbindungen gesteckt. Bei Jolissa Kämpf traten Schülerinnen und Schüler zu einer Challenge am Nagelbalken an. Spaß und Praxis. Das hat auch Jolissa Kämpf dazu bewegt, an ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement noch den Weg zur Dachdeckerin einzuschlagen.
Mit Collin Stahl kehrte beim Handwerkstag sogar ein ehemaliger Schüler an seine alte Schule zurück. Er absolviert eine Ausbildung bei Seyffarth Bad & Heizung und berichtete über seine Erfahrungen. „Das war auch für mich ein tolles Gefühl. Einen Schüler zu sehen, der jetzt seinen Weg macht ist ein klasse“, freute sich Frank Schölzel.
Das Handwerk gilt als krisensicher. Reparatur, Sanierung und Energiewende lassen sich nicht automatisieren oder ins Ausland verlagern. Durch den Fachkräftemangel haben Bewerber hervorragende Übernahme- und Aufstiegschancen (zum Beispiel über den Meistertitel, der dem Bachelor-Niveau entspricht). Dazu kommt: Klassisches Werkzeug trifft heute auf Drohnen, 3D-Druck, Tablets und Smart-Home-Automation. Vor diesem Hintergrund wirbt die Handwerkskammer selbstbewusst mit den Slogans: „Mach was Echtes im Handwerk“ und „Gönn dir Handwerk“.
136 Schülerinnen und Schüler erhielten am Mittwoch Einblicke in moderne Handwerksbetriebe. „Einige nutzten die Chance und haben sich gleich als Bewerber für einen Praktikumsplatz beworben“, zog Lehrerin Anja Schulte zufrieden Bilanz. Sie ist Beraterin für Studien- und Berufsorientierung (Stubo) und weiß: „Wer im Praktikum einen guten Eindruck hinterlässt, hat den Fuß zu einem Ausbildungsplatz in der Tür.“ Sie ist vom Konzept des Handwerkstags überzeugt. „Er soll jetzt alle sechs Monate stattfinden“, kündigte Anja Schulte an.










