Hoch soll er leben! Eine Geburtstagsparty für Friedrich den Großen am preußischen Hofe im Jahr 1758. Das englische Ensemble „Apollo’s Cabinet“ nimmt das Publikum im Ratssaal mit auf eine Reise ins 18. Jahrhundert. Mit im Boot sind Komponisten dieser Zeit, die dem leidenschaftlichen Musikliebhaber Friedrich II., selbst begeisterter Flötenspieler und Komponist, besonders am Herzen lagen. Dazu zählen Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Joachim Quantz, Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Johann Philipp Kirnberger.

Informativ und sympathisch führt die gebürtige Vorarlbergerin Teresa Wrann in die Geschehnisse ein, bevor die faszinierende Virtuosität des Apollo’s Cabinet beginnt. Die Musiker und Musikerin haben sich 2018 an der Guildhall School of Music in London zusammengefunden. Sie möchten Alte Musik - Early Music - jedem zugänglich machen und interaktiver gestalten.

Historische Instrumente, moderne Technik

Im Plettenberger Ratssaal begeisterte das mit vielen Preisen ausgezeichnete Ensemble mit erstklassigen Barockinterpretationen. Sie verbinden Barockzeit mit der Neuzeit - nicht nur musikalisch. Ihre Barockinstrumente werden von Tablets begleitet. Man bedenke die Erleichterung der Neuzeit alleine beim Umblättern der Noten.

Das englische Ensemble „Apollo’s Cabinet“ nahm das Publikum im Ratssaal mit auf eine Reise ins 18. Jahrhundert.
Foto: Ai-Lan Na-Schlütter/LokalDirekt

Augenzwinkernd lassen sie das Publikum aufhorchen in La Capricciosa von Dietrich Buxtehude. Tatsächlich hört man in Kraut und Rüben offensichtlich Popsongs und Volkslieder. Countertenor Collin Shay erhebt sich flugs von seinem Cembalo und lässt ein kräftiges Twist and Shout ertönen. Wrann fordert zum Mitsingen auf, denn wer kennt den Griechischen Wein von Udo Jürgens nicht? Muss i denn zum Städtele hinaus können auch die englischsprachigen Musiker mit dem Publikum zusammen singen, bevor es weiter in La Capricciosa geht. Stürmische Begeisterung entfacht der französisch-amerikanische Countertenor Collin Shay mit seiner Umsetzung des Doktor Eisenbart.

Virtuosität und Spielfreude

Absoluten Hörgenuss bereitete das Ensemble seinen Zuhörern in seinem einwandfreien Zusammenspiel. Dabei achteten die Musiker mit allen Sinnen auf ein perfektes Aufeinandereingehen. Die große Palette der Block- und Traversflöten (gespielt von Teresa Wrann und Thomas Pickering) in unterschiedlichen Tonlagen und Stimmungen verlieh allen Werken eine individuelle Farbe. Dazu passte der abwechslungsreiche Einsatz von Barockgitarre und Theorbe (Instrument aus der Lautenfamilie mit 14 einzelnen Saiten, gespielt von Jonatan Bougt), die Viola da Gamba (Bein-Viola, gespielt von Harry Buckoke) sowie das Cembalo (Collin Shay).

Höchst virtuos huschende Finger, der entsprechende Lippenansatz der Flötenspieler, die Tonqualität, die Spielfreudigkeit, die Sensibilität und das Pathos - das Publikum bewunderte Musikalität, Leidenschaft und Umsetzung gleichermaßen.

Das Publikum würfelt sich sein eigenes Musikstück

Das Publikum durfte an diesem Barock-Abend nicht nur mitsingen. Es durfte selbst komponieren und dem Ensemble vorlegen. Mittels Kirnbergers sogenannter Würfelkompositionen „Der allzeit bereite Menuetten- und Polonaisenkomponist“, dessen Werk in verschiedene Takte zurecht geschnitten wurden, konnte der Gast mit einem Würfel seine Notentakte auswürfeln, mit einem Titel versehen und dies dem Ensemble zur Umsetzung geben.

Hier wiederholt sich wieder die wunderbare Unterstützung durch die Neuzeit-Technik. Einscannen und den Kollegen aufs Tablet spielen war eins und dann zeigte sich die Professionalität der Musiker. Willkürlich ausgewürfelte Notentakte aus verschiedenen Seiten eines Werkes setzten die Künstler in ein gut klingendes Ergebnis um.

Ein Konzertabend, der nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.