Die Gespräche über eine mögliche Schließung der Servatiuskirche ziehen in Rönsahl weite Kreise. In einem offenen Brief fordert Karl-Friedrich Marcus nun eine zweckgebundene Spende zurück, die für den Erhalt des historischen Gebäudes gedacht war. Pfarrer George Freiwat und das Kreiskirchenamt unterstützen das Vorgehen.

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"Ende 2019 haben wir im Rahmen eines Crowdfunding-Projektes Rönsahl-Kalender verkauft. Von jedem Kalender wurden neun Euro für ein Facelifting der Mauern des Kirchturms der Servatiuskirche gesammelt. Fast 150 Haushalte in Rönsahl haben mit dem Kauf der Kalender diese Aktion unterstützt. Insgesamt kamen dabei 1325,22 Euro zusammen, die wir Anfang 2020 vor einer Presbyteriumssitzung dem Presbyterium übergeben haben", erklärt Karl-Friedrich Marcus. Er hat den Kalender gemeinsam mit Ellen Becker gestaltet.

Geld soll in Stiftung überführt werden

Das Geld sollte als zweckgebundene Spende für die Renovierung des Kirchturms genutzt werden, so Marcus. Da seit 2020 nichts am Turm der Kirche gemacht wurde und nun eine mögliche Schließung oder ein Verkauf der Kirche im Raum steht, möchten die beiden das Geld von der Kirche zurückhaben. "Das Geld werden wir, wenn sich zeitnah ein Förderverein oder eine Stiftung außerhalb der Kirchengemeinde zum Erhalt der Servatiuskirche neugegründet wird, diesem Förderverein beziehungsweise der Stiftung zur Verfügung stellen."

Der Turm der Servatiuskirche ist in Maschendraht gehüllt. Das soll verhindern, dass bröckelnde Fassadenteile Passanten und Kirchgänger verletzen.
Foto: Kowalski | Archiv

Im Gespräch mit LokalDirekt erklärt Marcus: "Die Kirche ist nicht nur Gotteshaus, es ist für Rönsahl ein Wahrzeichen, das bedeutet uns sehr viel. Das Dorf ist keine Anhäufung von Häusern, sondern ist uns eine Heimat und ein zu Hause. Dazu gehört auch die Kirche." Er möchte die Kirche aufwecken, sich vor Ort mehr engagieren und, wenn möglich, das Gebäude halten.

Pfarrer äußert Verständnis

Auf Anfrage von LokalDirekt äußert Pfarrer George Freiwat von der evangelischen Kirche in Kierspe Verständnis für das Anliegen von Marcus. „Die Sammler müssen sich rechtfertigen gegenüber den Spendern“, macht er klar. Da seit sechs Jahren an dem Gebäude nichts passiert ist, sagt Freiwat: „Ich würde das begrüßen, wenn wir das zurückzahlen.“ Als die Spende eingegangen ist waren die beiden Kirchengemeinden in Rönsahl und dem Kiersper Kernort noch getrennt, sie verschmolzen erst im Jahr 2024.

Auch im Kreiskirchenamt steht man dem Anliegen positiv gegenüber: "Wenn jemand sagt er spendet für einen bestimmten Zweck und dieser Zweck nicht gegeben ist, dann verstehe ich das", macht auch Matthias Willnat sein Verständnis deutlich. Er ist Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises. Generell erklärt er: "Bei historischen Kirchen kosten Arbeiten das Vielfache von denselben Arbeiten an neueren Gebäuden", weshalb die Finanzierung mehrerer Kirchen zunehmend schwerer wird. "Das ist auf lange Sicht für Kirchengemeinden nicht zu organisieren, weder finanziell noch personell."

Bisher kein ähnlicher Fall bekannt

Einen Fall, dass gespendetes Geld aufgrund dieser Tatsache zurückgefordert worden ist, ist Willnat bisher nicht bekannt. Er stellt jedoch klar: Auch wenn der Kirchenkreis die Gelder der einzelnen Gemeinden verwaltet, hat die jeweilige Gemeinde die Entscheidung, was mit den Geldern passiert. Der Kirchenkreis übernimmt lediglich die verwaltungsseitige Arbeit, die Hoheit über das Geld liegt allein bei der Gemeinde vor Ort.

Daher sind Freiwat und der Kirchenkreis aktuell in Gesprächen, um die Rückzahlung möglichst schnell in die Wege zu leiten. Wie lange die Rücküberweisung jedoch dauert, kann Freiwat zum aktuellen Zeitpunkt nicht einschätzen.