Sommerzeit ist Lesezeit – ob im Garten, auf dem Balkon, im Freibad oder ganz gemütlich auf der heimischen Couch. Doch welches Buch darf in diesem Sommerurlaub auf keinen Fall fehlen? Und wer könnte bessere Tipps geben, als jemand, der täglich von Büchern umgeben ist? In der LokalDirekt-Sommerlese-Serie geben "Buchprofis" ihre ganz persönlichen Tipps.
Briefroman einer "herrlich verschrobenen" Protagonistin
Das Team der Buchhandlung Schmitz in Meinerzhagen kennzeichnet schon seit geraumer Zeit einzelne Bücher mit dem Hinweis "Mein Lesetipp", wenn die Mitarbeiter sie für besonders lesenswert halten.
Mit dem Lesetipp von Lea Kemper ist "Die Briefeschreiberin" von Virginia Evans versehen. Der Debütroman der amerikanischen Autorin wurde direkt ein "New-York-Times"-Bestseller und ist in diesem Jahr mit dem "Wome's Prize for Fiction", einem der angesehensten Literaturpreise, ausgezeichnet worden.
Passend zum Titel ist das Buch als Briefroman geschrieben: Die Geschichte wird anhand zahlreicher Briefe erzählt, die die Protagonistin Sybil van Antwerp schreibt oder empfängt. "Es ist spannend, wie gut man durch die Briefe die Protagonistin kennenlernt. Sybil ist herrlich verschroben, sie ist nicht ganz einfach", gibt Kemper einen Einblick ist die Welt der 73-Jährigen, die im Laufe des Buches ihr Augenlicht zu verlieren droht und daher nicht auf ewig ihre Briefe schreiben kann. Kemper fasst zusammen: "Es ist ein ganz warmherziges Buch, aber zwischendurch ein wenig traurig — so wie das Leben halt ist."
Vom Schweinchen, dass ans Meer wollte
Sabine Bestgen hingegen hat als Lesetipp ein Kinderbuch herausgesucht: "Kringel will Meer" ist für Kinder von drei bis fünf Jahren am besten geeignet, grenzt die Verkäuferin ein. Sie erklärt: "Das ist eine süße Geschichte. Das Schweinchen Kringel ist zufrieden auf seinem Bauernhof, bis die Lachmöwe vorbeikommt und erzählt, wie schön das Meer ist." Inspiriert durch die Erzählungen macht sich Kringel auf die Reise, bei der er einige Abenteuer erlebt. Am Ende des Buches liegt er gemütlich im Strandkorb und blickt auf das Meer, als er eine besondere Überraschung erlebt.
Bestgen schätzt besonders, dass die Autorin Henrike Wilson es geschafft habe, die Geschichte entsprechend kindgerecht mit wenigen Sätzen pro Seite zu erzählen. Zudem ist sie begeistert von den doppelseitigen Illustrationen, die ebenfalls aus dem Pinsel von Wilson stammen: "Die finde ich total schön", sagt Bestgen.
Ähnliche Hintergründe, unterschiedlicher Aufbau: Zwei deutsche Kleinstadt-Bücher
Inhaber Wolfgang Schmitz hat gleich zwei Bücher aus dem Sortiment herausgesucht, die er den LokalDirekt-Lesern ans Herz legen kann. Beide sind auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis nominiert, beide erzählen teils dramatische Familiengeschichten in Deutschland, beide stammen von Autoren, die Mitte der 1990er geboren worden sind.
"Sanditz" aus der Feder von Lukas Rietzschel spielt in der gleichnamigen, fiktiven Kleinstadt in der ostdeutschen Lausitz. Rietzschel verbindet in seinem Buch zwei Zeitstränge der Stadt miteinander, wechselt zwischen den letzten Jahren der DDR mit der friedlichen Revolution 1989 und der Gegenwart zu Beginn des Ukrainekriegs. Rietzschel selbst stammt ebenfalls aus Ostsachsen. Er gibt Einblick in das Leben der Familie Wenzel in den verschiedenen Zeitsträngen, lässt sich aber auch viel Zeit für Beschreibungen von Landschaft und Bewohnern des fiktiven Ortes.
Das zweite Buch, das Schmitz herausgesucht hat, wurde von Lena Schätte verfasst. Die gebürtige Lüdenscheiderin erzählt in dem Roman die Geschichte einer Protagonistin, die von ihrem Vater lediglich "Motte" genannt wird und das Buch aus ihrem Blickwinkel beschreibt. In "Das Schwarz an den Händen meines Vaters" erzählt Motte die Geschichte, wie sie selbst auf Schützenfesten und Feiern zu viel Alkohol konsumiert — ähnlich wie viele ihrer Vorfahren und ihr Freund. Als bei Mottes Vater Krebs im Entstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden — vom Vater und vom Alkohol. "Das Schwarz an den Händen meines Vaters" wurde mit dem Förderpreis Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, die Autorin Lena Schätte mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2026.
Lesung vor Ort
Am Freitag, 6. November, kommt Schätte übrigens nach Meinerzhagen: Im Rahmen einer von Wolfgang Schmitz organisierten Lesung in der Aula des evangelischen Gymnasiums liest die Autorin aus ihrem Buch, Karten für die Veranstaltung können bereits jetzt bei Schmitz erworben werden.
In der Serie "Büchertipp der Woche" erschien bisher:










