Heiß, heißer am heißesten. Wenn Menschen schwitzen und stöhnen, können sie sich selbst helfen. Ein Glas Wasser aus der Leitung oder ein kühles Eis helfen, die Körpertemperatur zumindest für einige Zeit zu senken. Wildtiere haben diese Möglichkeit nicht und sind dankbar für jede Unterstützung, die sie bekommen können. Was genau jeder tun kann, verrät Jörg Handtke vom Tierschutzverein Halver/Schalksmühle.

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Zu viel Hitze macht der Tierwelt Probleme

Vögel, Insekten, Igel, Feldmäuse — die Liste derer, die unter den aktuell in der Region extrem hohen Temperaturen leiden, ist lang. Wassermangel, Krankheiten oder der Befall durch Ungeziefer machen der Tierwelt zu schaffen.

Jeder, der einen — wenn auch noch so kleinen — Garten hat, kann aber einen Beitrag dazu leisten, das Leid der Wildtiere ein wenig zu lindern. "Es ist ganz einfach", erklärt Jörg Handtke vom Tierschutzverein Halver/Schalksmühle im Gespräch mit LokalDirekt. "Gartenbesitzer nehmen einfach die Unterschalen von Blumentöpfen und füllen diese mit Wasser. Dabei ist aber darauf zu achten, dass das Wasser nicht zu tief ist, damit kein 'Besucher' darin ertrinkt. Zusätzlich helfen ein paar Steine oder kleine Äste, die in der Schale platziert werden, damit Insekten, die ins Wasser geflogen sind, mit dieser Kletterhilfe wieder herausfinden." Zwei oder drei von diesen Schalen, im Garten verteilt, würden vielen Tieren in ihrer Not helfen, ist Handtke sich sicher.

Bei der Hilfe auf Fressfeinde achten

Beim Aufstellen der Wasserschalen sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht in der direkten Sonne stehen, da sie sonst zu schnell austrocknen. Sie sollten gleichzeitig aber auch weit genug von Hecken oder anderen Schattengebern platziert werden, da diese Katzen gute Verstecke bieten. "Am besten stehen die Schalen so auf einem freien Platz im Garten, dass Vögel anschleichende Feinde frühzeitig erkennen und wegfliegen können", erklärt Handtke. Es mache jedoch keinen Sinn, die Wasserschalen auf Bäumen oder anderen hoch gelegenen Plätzen anzubringen, denn dort würden die Vögel sie nicht annehmen: "Kein Vogel erwartet eine Trinkmöglichkeit im Baum. Ihrer Natur entsprechend suchen sie das Wasser am Boden."

Der Tierschützer weist auch darauf hin, dass diese Schalen unbedingt zweimal täglich gereinigt werden müssen: "Und das am besten abends, nachdem die Schalen hoffentlich ausgiebig von Vögeln und anderen Tieren genutzt wurden, und morgens, weil nachts eventuell Igel oder Hamster ihren Durst an den Schalen gelöscht haben." Wer dagegen tagsüber einen Igel sieht, sollte diesen, so Handtke, sofort einpacken und zum Tierarzt bringen: "Igel sind rein nachtaktive Tiere. Sobald sie tagsüber zu sehen sind, sind sie krank und ein Tierarzt muss abklären, ob ihnen noch geholfen werden kann."

Wer tagsüber oder noch dazu in der prallen Sonne einen Igel findet, sollte ihn umgehend zu einem Tierarzt bringen.
Foto: Symbolbild | Envato Elements

Aus dem Nest gefallene Jungvögel in fachkundige Hände geben

Auch auf Jungvögel, die bei diesem aktuell heißen Wetter vermehrt unter Bäumen liegen, sollte jeder in seinem Garten, aber auch beim Spazierengehen achten. Dass sie aus dem Nest fallen, passiere, so Handtke, aus zweierlei Gründen: "Zum einen, und das ist bei vielen Tierarten der Fall, wird das schwächste Jungtier von den Eltern oder Geschwistern aus dem Nest geworfen, wenn die Ressourcen nicht mehr für alle reichen." Diesen Jungtieren sei meist nicht mehr zu helfen, da sie zu krank oder verletzt sind, um sie retten zu können.

Dass Jungvögel aus dem Nest fallen kann unterschiedliche Gründe haben.
Foto: Symbolbild | Envato Elements

Etwas anderes sei es, wenn die Jungvögel von selbst aus dem Nest springen, weil es ihnen darin zu eng und vor allem zu warm geworden ist. Diese Nestlinge sollten Finder zunächst sicher in einen Karton packen und anschließend den Tierschutzverein oder eine Pflegestation anrufen. "Dort werden die Tiere dann fachgerecht aufgepäppelt", erklärt Handtke und warnt: "Auf keinen Fall darf man sie ins Nest zurücklegen, sie würden dann sofort wieder herausspringen. Und auch wenn der erste Sturz hoffentlich ohne Verletzungen abgegangen ist, muss das beim zweiten Mal ja nicht auch so sein."

Notfallnummer für "Vogel-Findlinge"

Damit im Fall der Fälle nicht lange nach einer passenden Aufzuchtstelle gesucht werden muss, können Finder von Jungvögeln Jörg Handtke unter der Notfallnummer 0152/33599478 auch direkt anrufen. Er werde dann schnell weitervermitteln.

Gut abwägen ob ein Tier zum Arzt gehört

Bei ihm können auch kranke Wildtiere gemeldet werden. "Mitnehmen darf man die nicht, außer man bringt sie direkt zu einem Tierarzt", warnt der Tierschützer. "Ein Versuch, sie zuhause alleine aufzupäppeln könnte als Wilderei ausgelegt werden und ist strafbar."

Wer zufällig ein Rehkitz oder einen jungen Feldhasen bewegungslos im hohen Gras findet, sollte sofort Abstand nehmen: "Diese Jungtiere sind in den seltensten Fällen krank, sondern werden von der Mutter dort abgelegt und zum Säugen immer wieder aufgesucht. Werden sie vom Menschen berührt, kann es passieren, dass die Mutter sie nicht mehr annimmt."

Hitzeproblem: Fliegeneier

Auf ein besonders großes Problem, das auch mit der langen Hitzewelle zu tun hat, möchte Jörg Handtke unbedingt hinweisen: Fliegeneier. "Aus diesen Fliegeneiern, die die Insekten gern auf kranken oder geschwächten Tieren ablegen, werden innerhalb nur weniger Stunden kleine Maden. Die wiederum kriechen in das Tier hinein, auf dem sie abgelegt wurden. Das kann über eine verletzte Stelle, Auge, Ohr oder eine sonstige Körperöffnung geschehen. Ist das erst einmal passiert, ist das befallene Tier nicht mehr zu retten."

Daher appelliert er an alle Tierfreunde, die ein geschwächtes Tier finden: "Bitte schauen Sie es sich genau an, ob sie die reiskorngroßen Fliegeneier, die meist als kleine Grüppchen in der nähe der Sinnesorgane abgelegt sind, finden. Wenn ja, versuchen Sie, diese mit Hilfe einer kleinen Bürste zu entfernen. Damit können Sie das Leben des Tiers retten." Auf keinen Fall dürften die Tiere gebadet, warnt Handtke.

Er könne verstehen, dass das Abbürsten der Fliegeneier nicht jedermanns Sache ist. In diesem Fall wünsche er sich, dass das Tier sofort zum nächsten Tierarzt gebracht werde: "Auch wenn die Eier sehr nah an den Körperöffnungen des verletzten Tiere sind, ist es beim Fachmann besser aufgehoben." Für den Finder würden keine Kosten entstehen, da viele Tierärzte diese Behandlungen bei Wildtieren übernehmen. "Wer sich unsicher ist, kann den Veterinär aber im Vorfeld auch fragen, ob und in welcher Höhe Kosten auf ihn zukommen könnten", beruhigt er.

Mit diesen Tipps hofft Jörg Handtke vielen Menschen Ideen mit auf den Weg zu geben, wie sie in der großen Hitze den Wildtieren helfen können: "Damit wir auch dann, wenn die Temperaturen wieder moderater werden, noch viel Freude an Vögeln, Insekten und Co. haben werden."